Senkung vom Leitzins in Paraguay

Katzenbanker

Aktueller Leitzins in Paraguay

Seit dem 21. August 2019 beträgt der Leitzins in Paraguay der Zentralbank (BCP) 4,25%.

Dies ist bereits die zweite Zinssenkung in ebensovielen Monaten. Bereits am 22. Juli wurde der Zins von 4,75% auf 4,50% gesenkt. Seit Anfang des Jahres sogar um ein ganzes Prozent von ursprünglich 5,25% auf jetzt 4,25%.

Was hat die Schweinepest in China damit zu tun?

Der Motor der Wirtschaft Paraguays ist nach wie vor die Landwirtschaft. Neben dem Export von Rindfleisch hat in den letzten Jahren vor allem der Anbau von Soja eine immer größere Bedeutung bekommen. Und genau dieser Umstand ist derzeit kein Vorteil. Im Jahr 2019 beträgt nämlich der Weltmarktpreis für Soja nur mehr U$ 290 pro Tonne. Dies ist der niedrigste Wert seit 15 Jahren. Im Jahr 2018 konnten sich die Bauern immerhin noch über U$ 320 pro Tonne beklagen, heuer ist es weniger. Viele Bauern waren nämlich bei ihren Kalkulationen von einem Soja Preis ~U$ 400 ausgegangen und hatten entsprechend aggressiv expandiert.

Da durch die Schweinepest in China jedoch die dortige Nachfrage nach Futtermittel (eben dieses Soja) eingebrochen ist, ist auch der Weltmarktpreis für Soja gesunken. In der Folge liegen die Erlöse aus dem Soja Export 1.000 bis 1.500 Millionen U$ unter den Werten von 2018. Bei einer gesamten Wirtschaftsleistung Paraguays von ca. U$ 40 Milliarden ist das schon ein ganz ordentlicher Rückgang.

Geringeres Wirtschaftswachstum von 1,5% für 2019

In der Folge geht man in der Zentralbank (BCP) seit Juli von einem reduzierten Wirtschaftswachstum von +1,5% für das Jahr 2019 aus. Neben dem schlechten Weltmarktpreis für Soja wirkt sich auch die Wirtschaftskrise in den Nachbarländern Brasilien und Argentinien ungünstig aus. Ursprünglich wurde im Dezember 2018 mit einem Wachstum von 3,9 – 4,2% für das Jahr 2019 kalkuliert. Im April 2019 wurden immerhin noch +3% erwartet.

Die Zentralbank handelt

Geht die Wirtschaft eines Landes durch schwere Zeiten, oder droht gar eine Rezession, dann ist die übliche Maßnahme der Politik eine Senkung der Leitzinsen. Genau dieses hat die BCP dann auch prompt in der Juli-Sitzung beschlossen und im August noch einmal verstärkt. Gleichzeitig kündigte die Regierung an, bis zu U$ 1,5 Milliarden für öffentliche Arbeiten und Produktionskredite zur Verfügung zu stellen.

Kaum Auswirkungen auf die Sparer bisher

Die Zinssenkungen der Nationalbank hatten bisher kaum spürbare Auswirkungen auf die Renditen von Anlegern und Sparern.

  • Bei Banken kann man immer noch bis zu 8% Zinsen auf seine Einlagen bekommen, welche bis zu ~25.000 Euro pro Person gegen Ausfall versichert sind.
  • Bei Kooperativen kann man sogar noch deutlich höhere Renditen bekommen; bis zu ~13% sind mit überschaubarem Risiko möglich.
  • Über die Börse bekommen auch Anleger aus Europa (sogar ohne Cedula!) noch bis zu ~15% Rendite im Jahr.

Mehr Infos dazu auf Anfrage oder in unserem ebook: Investoren Ratgeber – Paraguay

Seitenhieb auf die Zentralbank in Europa (EZB)

Eine Zinssenkung in Zeiten der Krise ist eine Maßnahme der Wirtschaftspolitik, welche sich oft bewährt hat. Wenn eine Zentralbank jedoch den Leitzins seit Jahren auf 0,0% hält (wie die EZB seit 2016), wie will man dann in Zeiten der Krise reagieren?

Es ist noch gar nicht so schrecklich viele Jahre her, da habe ich seinerzeit auf der Uni in Volkswirtschaftslehre gelernt, daß man in Zeiten der Krise den Zins senkt und in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs diesen wieder erhöht. Da gibt es sogar einige Modelle dazu, die dies höchst komplex-mathematisch wirklich gut belegen. Selbst in einem Land wie Paraguay, wo man den Menschen oft ein etwas kleineres Mathe-Gen nachsagt, scheint dies verstanden zu werden.

Hierzu einige Eckdaten: Paraguays Leitzins von 2010 bis 2019 erreichte ein Rekordtief in Höhe von 0,60 % im August 2010 und ein Allzeithoch in Höhe von 8,25 % im Oktober 2011. Der Durchschnitt lag bei 5,25% über diese 10 Jahre. Man beachte die massive Anhebung innerhalb eines Jahres. Natürlich hatte dies Auswirkungen:

https://de.statista.com/statistik/daten

Aber nur wenn man den Leitzins auch irgendwann erhöht (und damit das Wachstum bewußt reduziert), hat man in einem mageren Jahr auch die Möglichkeit, diesen Zins zu senken und damit Wachstum zu stimulieren.

Was wäre wenn

Jetzt stellen wir uns einmal vor, was in Europa passieren würde, würde die EZB den Leitzins innerhalb eines Jahres von 0,0% auf 7,5% erhöhen.

  • Die Sparer würden sich freuen. Es gäbe endlich wieder eine Nettorendite auf ihre Einlagen!
  • Die Pensionskassen und Lebensversicherungen hätten nach vielen mageren Jahren auch wieder gute Nachrichten für ihre Einzahler.
  • Aber nicht alle Marktteilnehmer sind Sparer oder Anleger. Es gibt auch noch die Schuldner. Und die (mit Abstand) größten Schuldner sind die Staaten selber.

Was ich mit einiger Sicherheit sagen kann, ist, daß dies praktisch über Nacht das Ende vom Euro wäre. Die Länder der Südschiene kommen ja schon mit 0,0% Zinsen nur mit Mühe über die Runden. Man stelle sich vor, diese Länder müßten auf ihre Staatsanleihen plötzlich derartige Zinsen zahlen. Der politische und wirtschaftliche Zusammenbruch wäre wohl kaum zu verhindern. Die einzige Chance für diese Länder wäre, die Euro-Zone zu verlassen und die Schulden durch Inflation zu reduzieren.

Die wirtschaftlich stärkeren Staaten (wie Deutschland oder Österreich) könnten diese hohen Zinsen zwar besser verkraften, aber auch hier wären die Folgen deutlich spürbar. Die Ausgaben für den modernen Sozialstaat (inklusive der Ausgaben für die “neuen Deutschen bzw Österreicher”) wären jedenfalls weit schwerer zu stemmen und eine politische Krise im Sinne eines “Links-Rucks” nicht auszuschließen.

Die nächste Krise kommt bestimmt

Die Konjunktur funktioniert wie der Atem. Es gibt eine Zeit für das Ein-atmen und eine Zeit für das Aus-atmen. Genauso gibt es eine Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und eine Zeit der Rezession. In Paraguay ist diese Rezession im Jahr 2019 angekommen, und die Zentralbank hat reagiert. Man rechnet bereits mit einem leichten Aufschwung für die zweite Hälfte des Jahres.

Wenn in Europa das nächste Mal eine Wirtschaftskrise zu Besuch kommt, wird das vermutlich nicht so einfach zu lösen sein. Die Zinsen sind schon vorher auf 0.0%, und die Politik einiger Mitgliedstaaten ist ohnehin dauernd in der Krise. Das wird sicher lustig.

 

 

 

 

 

 

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