Höherer Mindestlohn in Paraguay ab Juli 2022

Handwerker bei der Arbeit

Der Mindestlohn in Paraguay

In Paraguay existiert eine Behörde (Conasam), welche jedes Jahr die Entwicklung der Preise im Auge behält. Ein Anstieg der Preise wird auch als Inflation bezeichnet. Diese Preissteigerung wird dann von dieser Behörde durch die Anhebung des Mindeslohns ausgeglichen. Eine Lohnerhöhung findet in der Folge für die Arbeitnehmer zum 1. Juli statt. Für das Jahr 2022 wird eine Lohnerhöhung um ~11% auf rund Gs 2.550.000 angepeilt.

Der aktuelle Mindestlohn in Paraguay

Der Mindestlohn wurde zuletzt am 1. Juli 2021 auf Gs. 2.289.324 pro Monat bzw. Gs. 88.051 am Tag festgelegt. Dies war eine sehr moderate Erhöhung um 4,4% gegenüber dem alten Mindestlohn vom 1. Juli 2019. Im Jahr 2020 wurde ja aufgrund der Covid 19 Pandemie keine Änderung am Mindestlohn vorgenommen.

Höhe vom Mindestlohn in Paraguay

Der Mindestlohn wird laut Gesetz (Ley 5764, articulo 255 – reajuste del salario minimo) vom 29. November 2016 jährlich im Juni neu berechnet und an den IPC angepaßt. IPC heißt “Índice de Precios al Consumo” oder auf Deutsch Verbraucherpreis Index. Die geplante Lohnerhöhung für 2022 entspricht einer Steigerung von 11,4% zum Vorjahr. Weitere Teile des Mindestlohns sind der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, das Weihnachtsgeld (Aguinaldo), sowie Urlaubstage je nach Länge der Betriebszugehörigkeit. Mehr dazu in unserem Artikel “Arbeiten und Steuern in Paraguay”.

Inflation in Paraguay und der Welt

Dies ist eine gute Gelegenheit, um über die Auswirkungen der Inflation über die Zeit zu sprechen. Eine Lohnerhöhung von 11,4% bzw. eine Inflation von 11,4% im Jahr sind wirklich enorm. Dieses Problem ist auch nicht lokal auf Paraguay begrenzt, sondern erfaßt aktuell die ganze Welt. Erklärungen der Politik sind stark davon abhängig, wen man befragt. Eher sozialistisch ausgelegte Politiker sehen die Schuld für die Steigerung der Preise gerne im Krieg in der Ukraine oder bei Problemen im Bereich der Logistik. Sehr weit im linken Außenfeld wird sogar auf das Versagen des Kapitalismus verwiesen und gierigen Milliardären die Schuld zugeschoben.

Aber ist dies wirklich die Ursache des Problems? Fragt man konservative Wirtschaftsexperten, dann kommt oft der Verweis auf die Ausweitung bzw. Aufblähung der Bilanzen der großen Zentralbanken. Vor allem in den letzten Jahren wurde die Geldmenge insbesondere in Europa und den USA massiv ausgeweitet. Das klingt für die meisten Menschen so unverständlich, daß man es sofort wieder vergisst.

Wie Inflation entsteht

Dabei ist das gar nicht so schwer zu verstehen. Wenn eine Zentralbank die Bilanz ausweitet, dann wird dadurch frisches Geld erschaffen. Dies kann auf verschiedenen Wegen gemacht werden; etwa über die Banken oder durch den Kauf von Wertpapieren (Staatsanleihen). In jedem Fall wird damit Geld in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Wird mehr frisches Geld erschaffen als die Produktivität ansteigt, dann steigen damit auch die Preise. Aber mit Zeitverzögerung!

In den Jahren 2020 und 2021 haben wir wegen der Maßnahmen im Zuge der Bekämpfung der Covid 19 Situation in Europa und den USA einen eher geringen Anstieg (bis Rückgang!) der Produktion erlebt. Gleichzeitig wurde durch die zahlreichen “Belebungsmaßnahmen” der Politik eine massive Schwemme an frischem Geld ausgelöst. Wir haben also weniger Waren und Dienstleistungen und gleichzeitig mehr Geld im System.

Ein Anstieg der Preise aller Waren und Dienstleistungen erscheint mir da nicht vollkommen überraschend. Auch unabhängig von einem Krieg in Rußland oder einer Überlastung der Transportschiffe durch die vielen Bestellungen (Amazon) in China. Eine Situation stetig steigender Preise könnte also durchaus noch die nächsten Jahre Bestand haben.

Was noch vom Mindestlohn abhängt

Zusammen mit dem Mindestlohn werden eine Vielzahl von Preisen mit Juli neu berechnet.

Für Neueinwanderer interessant sind die höheren Antragsgebühren und Stempelgebühren in den Ämtern, wie etwa bei “Migraciones” (Einwanderungsbehörde), oder die dann (vermutlich) höhere “Solvencia” Summe von rund Gs. 35.000.000 (bisher Gs. 31.055.000), die bei der Nationalbank zu hinterlegen ist.

Auch die Garantiesumme für Sparguthaben bei Banken wird automatisch erhöht. Diese beträgt nämlich 75 Mindestlöhne und steigt dann wohl auf Gs. ~191 Millionen.

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