Arbeiten und Steuern in Paraguay

Jede Person mit legaler Aufenthaltsgenehmigung kann in Paraguay grundsätzlich auch einer Erwerbsarbeit nachgehen.
Haben Sie also Ihre “Admisión permanente” (was ist das?) in der Hand, liegt es an Ihnen, entweder als Angestellter oder Selbständiger in Paraguay zu arbeiten.

Als Angestellter arbeiten

Als Angestellter gilt in Paraguay grundsätzlich der gesetzliche Mindestlohn als Untergrenze. Dieser beträgt seit 1. Juli 2018 Gs.2.112.562 (vorher: Gs 2.041.123) im Monat bzw. Gs. 81.525 am Tag. In Paraguay gilt die 48 Stunden Woche mit jeweils 8 Stunden von Montag bis inkl. Samstag. Bei einem Kurs von 1 Euro = 6500 Gs sind das ganze Eur 325,- im Monat. Und das bei einer 48 (!) Stunden Woche. Zusätzlich zum Lohn hat der Angestellte auch Anspruch auf 12 Urlaubstage im Jahr. Bei längerer Betriebszugehörigkeit steigt dieser Anspruch auf bis zu 30 Tage nach 10 Jahren.

Weiters ist es gesetzlich vorgeschrieben, daß jeder Arbeitnehmer bei der IPS (https://portal.ips.gov.py ) angemeldet werden muß. IPS ist die gesetzliche Sozialversicherung in Paraguay. Dabei beträgt der Arbeitgeberanteil 16.5 % vom Gehalt, und der Arbeitnehmer zahlt 9%. Damit ist der Arbeitnehmer dann krankenversichert und rentenversichert. Leider sind die IPS Krankenhäuser in Paraguay nicht unbedingt erste Wahl, was die Qualität der Versorgung angeht. Viele Arbeitnehmer schließen daher private, auf dem IPS aufbauende “Sattelversicherungen” ab, damit sie im Falle des Falles NICHT in ein IPS Krankenhaus gehen müssen. Eine Arbeitslosenversicherung existiert nicht.

Die tägliche Realiltät

Wichtig zu beachten ist die tägliche Realität im Lande. Die Masse der Leute in der Privatwirtschaft, insbesondere von Klein- und Mittelbetrieben, bekommt WENIGER als den gesetzlichen Mindestlohn. Diese große Masse an Menschen im “grauen Bereich” sind weder renten- noch krankenversichert.  Als Verkäuferin in einem kleinen Geschäft oder auch in der Nachtschicht in einem Imbiss wird außerhalb von Asuncion im Bereich von Gs 150.000 (ca. Euro 25) die WOCHE bezahlt. Auf Stundenbasis gerechnet und bezahlt erhalten etwa Haushaltshilfen oder Gärtner eine Entlohnung im Bereich von Gs. 5.000 pro Stunde.

Wer als Ausländer in Paraguay als Angestellter trotzdem gut verdienen will, der muß schon über sehr spezifische Qualifikation verfügen, die ansonsten im Land nicht verfügbar ist.

Wenige gute Stellenangebote

Selbst dann ist ein Monatsgehalt von U$ 1000+ sehr selten. Die Gefahr, bei der ersten Gelegenheit durch einen vielleicht sogar selber angelernten Paraguayer (aus der richtigen Familie) ersetzt zu werden, ist hingegen sehr hoch. Die Mehrheit der besseren Arbeitsstellen wird hier nämlich nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern in der großen Masse innerhalb der Familie oder an Freunde vergeben. Qualifikation ist dabei eher weniger wichtig. Bei großen internationalen Firmen ist das freilich nicht so gravierend. Oft sind neue Mitarbeiter überrascht den Job zu bekommen. “Unglaublich, die haben mich tatsächlich eingestellt – und dabei habe ich überhaupt keine Bekannten im Management”.

Als Arbeitnehmer in Paraguay reich zu werden ist daher eher schwierig. Man könnte sogar sagen, es ist für die Mehrheit der Arbeitnehmer schon schwierig, mit einem derart geringem Einkommen überhaupt einen bescheidenen Lebensstandard zu halten. Ein Auto haben nur wenige, oft fahren 5 Leute auf einem kleinen Motorrad. Das ist sehr gefährlich und wir lachen darüber, aber für die Menschen hier ist es vielleicht nicht nur Dummheit, sondern bittere Notwendigkeit. Das sollte man dabei im Hinterkopf behalten. Wer eine (wenn auch bescheidene) Rente bzw. ein Zinseinkommen von 2-3 Millionen Gs im Monat bekommt, der mag für Europa eine arme Maus sein. Für Paraguay hat er aber (außerhalb von Asuncion) weit mehr im Monat zur Verfügung als die Masse der Paraguayer im Ort.

Selbständig arbeiten

Weit besser ist die Lage, wenn wir uns der selbständigen Arbeit zuwenden. Ein Unternehmen zu gründen ist in Paraguay denkbar einfach. Alles, was wir dafür tun müssen, ist, uns beim örtlichen Finanzamt eine RUC (Registro Unico de Contribuyentes) Nummer zu beantragen. Auch das ist nicht schwer; wer gut Spanisch kann, der kann den ganzen Prozess sogar online erledigen. Wer dies nicht kann oder will, geht zu einem “Contador” (=Buchhalter) und macht den Antrag mit ihm gemeinsam. Dafür fallen in der Regel nicht mehr als Euro 15,- an Kosten an.

Einen oder zwei Tage später wird Sie das Finanzamt per Email zu einem Vortrag über Ihre Pflichten als Steuerzahler einladen. Dort hören Sie zu oder schlafen, es kümmert keinen. Anwesenheit ist alles, was zählt. Am Ende des Vortrages erhalten Sie den online Zugang zum modernen Steueraccount und Ihre Unterlagen – und schon sind Sie fertig und voll geschäftsfähig.

Buchhalterisch müssen Sie ab jetzt jeden Monat ihre ausgestellten Rechnungen und ihre Aufwandsrechnungen beim Finanzamt einreichen. Je nach Umsatz des Geschäftes wird ihr Buchhalter dafür etwa 20-30 Euro im Monat verlangen. Für alle Leser mit kaufmännischer Ausbildung in Europa – was jetzt kommt, werdet Ihr nur schwer glauben können. Setzt Euch also besser hin.

JEDE Ausgabe ist betriebsrelevant

Jede Rechnung kann zu 100% und sofort geltend gemacht werden! Das heißt im Klartext;

  • Sie kaufen sich ein neues Hemd – wird zu 100% anerkannt und mit UST (hier IVA) und Gewinn 1:1 verrechnet.
  • Sie laden Ihre Frau zum Essen ein,
  • Sie tanken das Privatauto,
  • die Handyrechnung der Kinder,
  • die neue Waschmaschine – alles wird zu 100% und ohne Abschreibung anerkannt!

Lassen Sie sich das einmal in Ruhe durch den Kopf gehen.

Beleg ist NICHT gleich Rechnung

Pedido - Bestellung

Rechnung - Faktura

Die Sache hat nur einen kleinen Haken, es werden nur legale Rechnungen anerkannt. Eine Rechnung ist dann legal, wenn sie von einem legalen Rechnungsblock stammt. Eine legale Rechnung sieht in etwa aus wie das linke Bild. Wichtig ist dabei das Wort “Factura” (Rechnung) sowie Name und Anschrift des Unternehmens und die korrekte RUC.

Was man in Paraguay jedoch üblicherweise in kleinen Geschäften und mittleren Unternehmen in die Hand bekommt, ist nur auf den ersten Blick eine Rechnung.

Wie Sie am rechten Bild sehen, steht in der linken, oberen Ecke “Pedido”, was Bestellung bedeutet. Weder ein korrekter Firmenname, noch die RUC Nummer sind ersichtlich. Dies ist KEINE Rechnung.

 

Mit diesem “Beleg” haben Sie weder Anspruch auf Gewährleistung, noch können sie die IVA (Umsatzsteuer 10%) geltend machen. Auch können Sie diese Ausgabe nicht zur Minderung Ihres Gewinnes verbuchen. Von Gesetz her sind Firmen gezwungen, Ihnen auf Verlangen eine korrekte Rechnung auszustellen. Oft wird dies aber nur sehr langsam und widerwillig erfolgen. Warum? Die ausstellende Firma spart sich auf diese Art 10% IVA und 10% Einkommensteuer/Körperschaftsteuer an den Staat!

Je kleiner das Unternehmen, desto geringer die Chance, eine korrekte Rechnung zu erhalten. Das Gute ist, daß Sie auf diese Art gleich sehen, mit welcher Art Mensch Sie gerade Geschäfte machen. Wer schon den Staat gewohnheitsmäßig über den Tisch zieht, der wird bei Ihnen vermutlich nicht viel besser handeln.

Das Beste kommt zum Schluß; in Paraguay gilt das Prinzip der Territorialbesteuerung. Das heißt, es wird nur jenes Einkommen besteuert, welches IN PARAGUAY erzielt wird.
Das restliche Welteinkommen ist steuerfrei!

Dies ist eine SEHR vorteilhafte Gesetzgebung, wenn Sie zB ein Internet oder sonstiges ortsunabhängiges Unternehmen haben oder gründen möchten.

2 Kommentare zu “Arbeiten und Steuern in Paraguay

  1. Danke für Info. Gleich zwei Fragen dazu:
    1) Gibt es eine Buchhalterpflicht oder kann man das selbst erledigen?
    2) wenn man z.B. Zimmer “online” vermietet, muss man dann keine Steuern zahlen?
    3) Müssen Künstler auch Steuern bezahlen?

    1. Zu
      1) Man kann das auch selber machen. Aber bei 20-30 Euro Kosten im Monat ist es weit besser einen Buchhalter zu haben der deine Rechnungen einmal im Monat abholt und dir dazu noch gute Tips gibt.
      2) Online Vermietung: Sind die Zimmer in Deutschland, dann muß man dafür in Paraguay keine Steuern zahlen. Welteinkommen ist steuerfrei. Wohl jedoch in Deutschland im Rahmen der “beschränken Steuerpflicht” (auch bei Lebensmittelpunkt Paraguay).
      Sind die Zimmer in Paraguay, dann ist das ein ganz normales Geschäft wo 10% IVA und bei größerem Gewinn auch 10% Einkommens- bzw. Körperschaftsteuer zu zahlen wären. Theoretisch. Praktisch ist es sehr einfach das zu vermeiden, jede Rechnung kann eingereicht werden.
      3) Künstler ist ein normaler Beruf. Hast du Auftritte in Paraguay, schreibst du eine Rechnung. Sind diese im Ausland ist es steuerfrei für Paraguay. Ein Auftritt in DE würde jedoch auch in DE zu versteuern sein (auch bei Lebensmittelpunkt Paraguay). Sonderfälle wie digitale Downloads und dergleichen sind mit einem Steuerberater in DE abzuklären, wie das dort gesehen wird. Paraguay ist sicher nicht das Problem, hier ist das alles sehr entspannt und stressfrei. Machst du einen Fehler bei der Monatsabrechnung, oder vergißt diese zu machen, beträgt die Strafe in der Regel Gs. 50.000 (8 Euro). In Deutschland (AT/CH) weht da ein ganz anderer Wind – dort liegt die Gefahr bei “steuersparenden Modellen”; Paraguay ist die Oase.

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