In Paraguay arbeiten – Bäcker u. Friseurin/Kosmetikerin

Friseurgeschäft mit zwei Stühlen

Beruf: “Bäcker”

Wer wirklich den Bäckerberuf in Europa gelernt hat, der hat einen großen Vorteil. Man kann in Paraguay auch eine Bäckerei leiten oder eröffnen, OHNE jemals diesen Beruf gelernt zu haben. Ich würde sogar sagen, die große Mehrheit der lokalen kleinen Bäcker hat eigentlich sehr wenig Ahnung vom Beruf. Voraussetzung ist, daß man kein Problem hat sehr früh morgens mit der Arbeit zu beginnen, und den ganzen Tag in der heißen Backstube zu sein. Auch wenn es draußen 40 Grad hat und man eigentlich lieber am Pool liegen würde.

Wenn Sie mit einer Partnerin kommen, dann ist diese sicher bereit, den Verkauf im Laden zu übernehmen; sehr gute Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Sind Sie im Großraum Asuncion wird Spanisch ausreichen; ist ihre Bäckerei am Land, sind zusätzlich Grundkenntnisse in Guarani zwingend notwendig für den Verkauf an Paraguayer. Sind Sie alleine, oder ist Ihre Frau noch in der sprachlichen Lernphase, dann brauchen Sie dafür eine Verkäuferin.

Selbst wenn diese bereit ist, weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn (dieser beträgt ab 1. Juli 2018 Gs 2.1 Millionen bei 48 Stunden Woche) zu arbeiten, entstehen doch Kosten. Eine Verkäuferin von Montag bis Samstag ist am Land für etwa Gs 200.000 die Woche zu finden. Da Mitarbeiter in Paraguay nicht unbedingt für ihre Verläßlichkeit bekannt sind, sollten Sie unter Umständen lieber zwei Verkäuferinnen anstellen. Das erhöht ihre Chancen, daß immer mindestens eine zur Arbeit erscheint. Auch bei Regen und auch wenn ihre Großmutter krank geworden ist.

Nachdem alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Geschäft jetzt so richtig laufen. Natürlich wünsche ich Ihnen viele hungrige Kunden, die Ihnen die Backwaren aus den Händen reißen. Ob das wirklich so kommt, hängt vor allem von der Qualität  und den Preisen ab. Es muß sowohl gut, als auch billig sein – sonst wird es mit Paraguayischen Kunden schwer werden.

“Deutscher Bäcker”

Jetzt könnte man sagen, daß man als “Deutscher Bäcker” ja ohnehin nur an Deutsche verkaufen will. Erspart den ganzen Ärger mit der Sprache und ist auch sonst viel einfacher. Ja, das mag sein – aber es gibt nicht viele Deutsche in Paraguay im Vergleich zur lokalen Bevölkerung. Da sprechen wir von einer SEHR kleinen Zielgruppe, welche außerdem bereits ganz gut versorgt ist.

“Deutscher Bäcker” ist vor allem geeignet für Rentner oder Menschen mit Kapitaleinkünften, die den Beruf nebenbei machen. Sie fahren zB am Wochenende auf einen lokalen Markt (wie in San Bernardino) und verkaufen dort ihre Ware. Sie treffen nette Leute und haben etwas zu tun – wenn dabei dann noch eine schwarze Null herauskommt, sind Sie bereits zufrieden.

Wie sind die Preise der anderen lokalen Bäcker und deren Gewinnspannen?

  • Das Kilo Mehl im Großhandel ist für etwa Gs 2000-2500 zu haben und stellt die Basis Ihrer Backwaren dar.
  • Weißbrot, etwa vergleichbar mit Semmeln, wird im Supermarkt für Gs 5000/kg
  • und beim lokalen Bäcker für Gs 8000/kg verkauft.
  • Kuchen und Torten werden ebenfalls in Supermärkten angeboten und kostet rund Gs 35000 das kg und lokal Gs 40.000 – 45.000 das kg.

Natürlich gibt es noch viele weitere Backprodukte im Sortiment – aber das Preisniveau und die Gewinnspanne sind nicht sehr unterschiedlich. Wenn Sie 0.50 Euro am Kilo Semmeln im EINZELHANDEL verdienen, dann können Sie ja abschätzen welche Masse alleine für die Abdeckung Ihrer Fixkosten notwendig ist. Wenn dann noch Kosten aus Investition (wie Ablöse eines bestehenden Geschäftes) oder für den Kauf guter Maschinen anfallen…

Die dafür nötige Masse ist über einen Laden schwer zu vertreiben und wir kommen schnell in den Bereich einer kleinen Fabrik mit einem Netz an lokalen Verkaufspunkten. Das wäre eine Möglichkeit für den Großraum Asuncion und ein Konzept, welches in Europa bereits in vielen Ländern erfolgreich umgesetzt wurde.

Beruf:  “Friseurin/Kosmetikerin”

Für diesen Beruf ist es sehr hilfreich, wenn Sie eine Frau sind. Grundsätzlich geht es auch für Männer, aber da Paraguay ein sehr konservatives Land ist, wird es als Mann um einiges schwerer werden. Ähnlich wie beim Bäcker (und fast allen anderen Berufen) ist ein eigenes Geschäft die beste Möglichkeit der Berufsausübung. Sind Sie wirklich gut in Ihrem Fach, dann können Sie unter Umständen auch als Angestellte einen Job finden. Mit etwas Glück erhalten Sie den Mindestlohn (etwa Euro 325) bei einer 6Tage Woche und 48 Arbeitsstunden.

Wollen Sie gut verdienen, dann ist ein eigenes Geschäft in guter Lage (!) Ihre beste Chance.

Die Frauen in Paraguay sind sehr weiblich; das heißt sie haben lange Haare und legen Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Wenn Sie durch die Stadt (Asuncion) gehen, ins Einkaufzentrum oder auch eine Bank oder einen Supermarkt betreten, dann werden Sie das bemerken. Für Ihren Beruf heißt das, daß es grundsätzlich sehr viel Bedarf gibt.

Sind Sie in Ihrem Beruf wirklich gut, dann haben Sie gegenüber der (zahlreichen) lokalen Konkurrenz einen klaren Vorteil. Meist besteht deren Ausbildung aus Wochenend-Seminaren mit großem Diplom für die Wand. Eine solche mit Diplomen behängte Wand sieht beeindruckend aus, wurde aber vielleicht innerhalb von nur 3 Monaten erworben.

Für die einfache Paraguayerin, die im Supermarkt an der Kasse arbeitet, reicht das vielleicht auch. Ihr ist vor allem der Preis wichtig (siehe Lohn für Angestellte) und weniger die Qualität der Arbeit oder Produkte. Für die gebildete Parguayerin oder die gut (heißt “reich”) verheiratete Frau ist das jedoch ganz anders. Diesen Frauen sind ihre Haare und ihr Aussehen extrem wichtig! Sie sind auch bereit (relativ) gut dafür zu zahlen.

  • Für lange Haare sind im oberen (aber nicht im TOP!) Segment Gs. 60.000 für Waschen/Schneiden/Föhnen nicht unüblich.
  • Für einmal Gesichts make-up werden etwa Gs 80.000 fällig.
  • Das sehr beliebte Haarefärben (vor allem Blond) ist manchen Damen auch Gs 500.000 pro Monat wert.
  • Kurpackungen und Pflegeprodukte für Ihre regelmäßig blanchierten und gefärbten Haare sind ebenfalls sehr gefragt.
  • Für Nägel im Rahmen einer Pediküre/Maniküre ist vermutlich eine Paraguayerin als Hilfskraft eine gute Wahl.

Lage, Lage, Lage

Wie bereits erwähnt, entscheidet über den Erfolg Ihres Geschäftes neben Ihrem Können auch die Lage. Eine gute Lage in Asuncion (etwa in einem Shopping Center) verhilft Ihnen zu weit besserer Kundschaft. Dies ist vor allem am Anfang wichtig, um sich einen Namen in den wohlhabenden Kreisen zu machen. Selbst ein Verlust am Anfang (durch die hohen Kosten der guten Lage), wäre unter Umständen akzeptabel. Wie bei allen Geschäften in Paraguay gilt auch hier, daß ein “langer Atem” absolut notwendig ist.

Kalkulieren Sie KEINE Gewinne aus den ersten 12 Monaten Ihrer Zeit in Paraguay. Haben Sie einen Gewinn ist das natürlich super. Falls nicht, sind Sie jedoch vorbereitet und haben entsprechende Rücklagen. Sind die Rücklagen nicht so groß, dann ist es auch möglich ganz ohne ein Geschäft zu arbeiten. Dies geht über Internet bzw. Facebook mit entsprechendem Marketing. Sie machen dann Hausbesuche und erarbeiten sich so einen guten Ruf. Hausbesuche sind jedoch nicht ohne Risiko, besonders in einem Land wie Paraguay. Frauen sollten auf keinen Fall alleine derartige Hausbesuche machen.

Sicherer ist es, wenn diese Hausbesuche bei Deutschen Kundinnen erfolgen. Das würde auch mit dem anfänglichen Sprachproblem helfen und ist eine vertretbare Möglichkeit. Durch die relativ geringe Anzahl von potentiellen Kundinnen werden Sie damit jedoch kaum etwas verdienen, aber es bringt Erfahrung. Wollen Sie wirklich Erfolg in Paraguay haben, dann wird mittelfristig ein eigenes Geschäft in guter Lage die beste Wahl sein. Auch wenn dadurch monatliche Fixkosten entstehen und Sie anfangs etwas investieren müssen.

Auf jeden Fall benötigen Sie für ein eigenes Geschäft die Aufenthaltsgenehmigung und auch eine Steuernummer (RUC). Wie Sie diese bekommen steht hier: http://paraguayprofis.com/arbeiten-in-paraguay/

2 Kommentare zu “In Paraguay arbeiten – Bäcker u. Friseurin/Kosmetikerin

  1. Hallo Herr Haubenwaller,
    Seit nun 13 Jahren bin ich eine sehr gut gelernte Friseurin, dennoch reicht das Gehalt nicht für die Miete in Deutschland aus.
    Mittlerweile arbeite ich in einer Wohnbaugesellschaft seit nun mehr als 4 Jahren. Seit längerem spiele ich mit dem Gedanken das Land zu erlassen.
    Über Einwanderung, Cedulla Versicherungen, Hausbau, Autokauf und der gleichen, was ich für mich benötige zum Leben habe ich mich bereits informiert. Meine Fragen sind, wo in Paraguay?
    Lieber in einer Deutschen Kolonie?
    Wegen Sprache und Sicherheit?
    Oder
    Einfach irgendwo abgelegen aber zwischen Einheimischen?
    Wo besteht guter Boden zur Selbstversorgung?
    Auf wen kann man sich prinzipiell verlassen wenn es darum geht Wünsche, ordentlich, sauber und zu meiner Zufriedenheit umzusetzen?
    Einem Paraguayer fällt es schwer NEIN zusagen, kann einem aber auch oft nicht weiter helfen !? Also wo den richtigen finden?
    An Deutsche wenden? Wo jeder wiederum seinen eigenen Nutzen daraus ziehen möchte und vielleicht selbst noch Hilfe sucht wie ich häufig lese.
    Über eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.

    1. Als Friseurin/Kosmetikerin kann man sich durchaus in Paraguay etwas aufbauen. Solange die Sprache nicht gut beherrscht wird, wird man vor allem auf Deutsche Kunden setzen müssen. Das ist aber zu wenig, um wirklich davon leben zu können auf die Dauer. Soll das Geschäft wirklich zum Leben reichen, dann wäre eine Stadt zu empfehlen. Je größer, desto besser, wegen der Kaufkraft der Kundinnen. Asuncion in erster Linie aber eventuell auch Encarnacion kämen in Frage. Die Sprache sollte dann aber sitzen.

      Zusätzlich ist wichtig für *mindestens 2 Jahre* Geld mitzubringen, ohne auf Einnahmen in Paraguay angewiesen zu sein. Es dauert, bis man sich hier etabliert hat und die Leute wissen, man ist gut.

      “Wo besteht guter Boden zur Selbstversorgung?”
      Selbstversorgung in Paraguay ist nur möglich, wenn man genug Geld dafür hat. Selbstversorgung bedeutet, daß man sich mit guten Lebensmitteln und dergleichen selber versorgt. Es bedeutet NICHT und NIEMALS, daß man von den Erträgen seines Landes leben kann. Das ist ein Irrglaube und gehört ins Kino. Im echten Leben kostet Selbstversorgung mehr Geld, als das normale Leben. Man hat nur bessere (bio) Produkte zum Essen und ist eventuell gegen zB Stromausfälle gesichert.

      Die Grundlage der Auswanderung nach Paraguay ist daher immer (!) ein solider Finanzpolster. Wer zB ein Haus oder Eigentumswohnung verkauft, der kann mit dem Erlös daraus vielleicht in Paraguay gut leben. Hat man zB Eur 200.000 zum Anlegen und bekommt man dafür 10-15% Ertrag im Jahr, dann sind Eur 20.000/Gs 140 000 000 mehr als ausreichend, um davon zu leben. Zum Vergleich beträgt ein überdurchschnittliches Einkommen eines Arbeitnehmers (Mindestlohn) ca. 25 Millionen Gs im Jahr. Auch eine Rente von Eur 800-1000 im Monat ist für eine Person durchaus ausreichend. Ohne Geld oder Einkommen nach Paragua zu kommen und hier als “Selbstversorger” zu leben, das geht leider selten gut.

      Für die Eröffnung eines guten Friseur-kosmetik Geschäftes in guter Lage in Asuncion würde ich ~50 000 Euro an Mindeststartkapital vorschlagen plus weitere 6 Millionen Gs/Monat x 24, also ca. Euro 25.000 für das Leben in den ersten 2 Jahren. Dazu noch Euro 25.000 für den Flug, die Papiere, das Erlernen der Sprache, ein Auto und Notreserve für zB Krankheit. Kurz und gut Euro 100.000 sollte man schon haben, um sich hier mit einem Friseurgeschäft selbständig zu machen und gute Chancen auf Erfolg zu haben. Ein Haus oder Grundstückskauf ist in dieser Rechnung noch überhaupt nicht einkalkuliert – ich gehe hier von einer Mietslösung aus.

      “Wo jeder wiederum seinen eigenen Nutzen daraus ziehen möchte und vielleicht selbst noch Hilfe sucht wie ich häufig lese.”
      Das ist auf der ganzen Welt so. Keiner wird gratis aus reiner Nächstenliebe für einen fremden Arbeiten und seine Zeit verwenden. Entweder man zahlt für die Hilfe und den Aufwand direkt, oder man denkt es ist gratis und wird die Rechnung dann später auf die eine oder andere Form bekommen. Wer hier lebt und von seiner Arbeit leben muß, der hat selten etwas zu verschenken, das sollte man nie vergessen.

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