Immobilienbesichtigung in Paraguay

traumhafte Terrasse am Haus mit Blick in den Garten

Ein Grundstück oder ein Haus ganz ohne Besichtigung zu kaufen, das ist grundsätzlich keine gute Idee. In Paraguay sollte man das auf keinen Fall machen. In diesem Artikel betrachten wir einige Punkte, die bei einer Immobilienbesichtigung besonders wichtig sind.

Anfahrtsweg

Die Immobilienbesichtigung beginnt schon während der Fahrt zum Objekt. Liegt das Grundstück oder Haus außerhalb einer Ortschaft, dann sind wir besonders aufmerksam, wenn wir den letzten Ort vor dem Ziel durchqueren.

  • Ist dieser Ort ordentlich und sauber?
  • Wie ist die Qualität und Erhaltung der Häuser und Straßen?
  • Welche größeren Geschäfte gibt es?
  • Könnte ich mir vorstellen, hier mehrmals die Woche etwas zu erledigen?

Zufahrtsweg und Nachbarschaft

Haben wir uns ein gutes Bild der Ortschaft gemacht, dann richten wir unsere Aufmerksamkeit jetzt auf die Straße, die zum Grundstück führt. Ist es eine gut befahrbare Straße oder ein Erdweg mit großen Löchern? Besonders bei Regen haben große Löcher die unangenehme Eigenschaft, sich in kleine Seen zu verwandeln. Rote Erde wird glatt wie Schmierseife und die Straße schnell unbefahrbar. Je länger die Strecke vom Asphalt oder Kopfsteinpflaster über eine solche Erdstraße führt, desto wichtiger ist der Zustand dieser Erdstraße.

Alles, was wir jetzt als “kleine Ruckelei/kleine Unannehmlichkeit” wahrnehmen, wird sehr schnell zu einem großen Problem, wenn wir es jeden Tag 2x bei jeder Fahrt zu oder von unserem Grundstück erleben dürfen. Als Grundregel gilt hier – je weiter ein Grundstück vom Asphalt entfernt ist, desto geringer ist der Wert.

Auch sehr wichtig sind die Nachbarn. Gibt es Nachbarn und sind die Häuser gepflegt, ist das sicher ein Plus. Sind es sehr einfache Holzhütten von Paraguayern, dann ist das jedoch kein Plus. Sind diese dann auch noch an einem Wochentag zur normalen Arbeitszeit zahlreich zu Hause, dann könnte man hier ein Sicherheitsproblem direkt vor der Haustür haben. Gute Nachbarschaft ist goldes wert, mit schlechter Nachbarschaft kann selbst ein Traumhaus schnell zum Albtraum werden.

Einfahrt

Haben wir das Grundstück erreicht, dann bewerten wir jetzt die direkte Zufahrt zum Grundstück oder Haus. Müssen wir dazu etwa ein fremdes Grundstück erst durchqueren, dann machen wir sofort eine geistige Notiz. Wir müssen dann nämlich unbedingt prüfen, ob dieses Zufahrtsrecht auch wirklich schriftlich(!) festgelegt ist. Fehlt ein entsprechendes Dokument, wäre dies ein großer Nachteil des Objektes. Selbst wenn der jetzige Eigentümer die Zufahrt erlaubt und ein herzensguter Mensch ist; was passiert, wenn er verstirbt oder verkauft? Wird der nächste Besitzer diese Zufahrt auch gewähren? Was, wenn nicht? Bedenken Sie – Ihre Nachbarn können sich ändern, das Grundstück wird in 20 Jahren immer noch am selben Fleck sein.

Sind wir jetzt endlich an der Grundstücksgrenze selbst angelangt, dann betrachten wir das Einfahrtstor und den Zaun. Ein schöner und stabiler Zaun mit repräsentativem Tor ist auf jeden Fall ein Plus. Oft sieht man auch gleich den Anschlußkasten der ANDE (ANDE = staatlicher Stromversorger) und kann sich ein Bild über den Zustand der Stromleitung machen, die zum Grundstück führt. Neue Masten aus Beton sowie ein moderner Anschluß in einer gemauerten Säule sind gute Verkaufsargumente.

Auch der Weg vom Einfahrtstor zum Haus sagt schon viel über den Verkäufer aus. Ist der Weg gepflegt, gut befahrbar und vielleicht mit Blumen/Palmen/Ziersträuchern begrenzt, dann weiß man schon, der Besitzer hat viel Zeit (Geld) und Liebe in sein Grundstück investiert. Ist der Weg schlecht, oder zugewachsen, dann steht das Objekt vielleicht schon länger zum Verkauf oder ist gar unbewohnt. Beide Infos wird der Verkäufer nicht unbedingt offen ansprechen, da sie seine Position bei den Preisverhandlungen schwächen könnten.

Grundstück mit Haus

Befindet sich auf dem Grundstück ein Haus, dann besichtigen wir dieses jetzt. Für viele Immobilien-Neulinge beginnt erst hier überhaupt die Besichtigung. Der Profi hat zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits sehr viele Informationen gesammelt.

Man grüßt die Verkäufer (wenn persönlich vor Ort) oder sonst deren Makler. In der Regel bricht dann ein Redeschwall mit einer Flut von Informationen über den Interessenten herein. Oft fragt man sich, wie kann ein Mensch so viel sprechen, ohne Luft zu holen?  Fast alles, was in diesen ersten Minuten gesagt wird, können sie getrost ignorieren. Es hilft Ihnen nicht dabei, sich ein objektives Bild vom Wert des Objektes zu verschaffen. Anstatt sich mit Wohlfühl-Argumenten der Verkäufer zu beschäftigen, ist es jetzt an der Zeit, sich mit harten Fakten zu versorgen.

  • Parkmöglichkeit vorhanden und in welcher Form?
  • Wasserversorgung über Tiefenbrunnen (Wert ca. 8000 Euro aufwärts) oder Oberflächenwasserbrunnen (nicht gut) oder Stadtwasseranschluß
  • Art und Zustand des Mauerwerks?
  • Welchen Eindruck macht das Dach?
  • Gibt es eine Dämmung gegen die Hitze? (zB bei Metalldach)
  • Art und Zustand der Fenster?
  • Art und Zustand der Böden?
  • Gibt es eine Heizung? (Ja, der Winter in Paraguay ist mit Heizmöglichkeit angenehmer!)
  • Anzahl und Zustand von Bad und WC
  • Qualität und Zustand der Küche (kann auch in Paraguay gut und teuer sein)
  • Gibt es einen Swimmingpool?
  • Qualität der Einrichtung und Elektrogeräte (falls Teil des Objektverkaufs)
  • sonstige Wertgegenstände am Grundstück oder Haus (etwa Rasentraktor oder Bewässerungssystem)

Haben wir unsere erste Checkliste abgearbeitet, haben wir jetzt bereits eine halbwegs brauchbare Einschätzung des Objektes. Nun ist die Zeit, sich zu fragen, ob das Objekt grundsätzlich für uns in Frage kommt. Ist die Antwort “Nein, auf keinen Fall will ich hier wohnen”, dann sollten wir jetzt weder die Zeit der Verkäufer, des Maklers, noch unsere eigene Zeit weiter verschwenden und uns höflich, aber bestimmt, verabschieden.

Bei Kaufinteresse

Kommt das Objekt für uns jedoch grundsätzlich in Frage, dann ist jetzt die Zeit, an die Verkäufer gezielte Fragen zu stellen und uns weitere Informationen zu besorgen. Wichtige Punkte, die wir klären sollten, sind zum Beispiel:

  • Wann wurde das Objekt von wem gekauft?
  • Gibt es einen sauberen Titel auf das gesamte Objekt?
  • Auf wen läuft der Titel, und wer muß beim Verkauf alles unterschreiben?
  • Wie soll die Bezahlung erfolgen?
  • Wann kann das Objekt bezogen werden, und wer bewohnt es bis zu diesem Zeitpunkt?
  • Ist der Verkäufer auch wirklich berechtigt, das Objekt zu verkaufen?
  • Terminvereinbarung beim Notar zur Prüfung der Unterlagen vereinbaren
  • Über den Kaufpreis verhandeln und Ablauf der Zahlung besprechen

Erfolgt die Besichtigung bzw. der Verkauf über einen Makler, dann ist auch spätestens jetzt über die Bezahlung des Maklers zu sprechen. In Paraguay ist die übliche Maklerprovision 5% vom Verkaufspreis. Zahlbar in der Regel vom Käufer. Warum das in Ihrem Interesse ist, steht hier: http://paraguayprofis.com/von-sparmeistern-und-abzockern/

Immobilienkauf mit Makler

Klar ist, niemand zahlt gerne 5% vom Kaufpreis seines Grundstückes oder Hauses “für nichts”. Bloß, dieses “für nichts” ist gar nicht so wenig, wie viele Leute annehmen. Besonders nicht in Paraguay. In Deutschland, Österreich oder der Schweiz, kann man sehr gut auch ohne Makler auskommen. Oft kann man durch “Privatverkauf” tatsächlich gutes Geld sparen. Es herrscht ja grundsätzlich Rechtssicherheit und bei Betrug helfen die Gerichte.

Nicht so in Paraguay. Wenn Sie hier einen Fehler beim Immobilienkauf machen, dann ist Ihr Geld verloren. Ein seriöser Makler hält Ihnen die größten Gauner und Abzocker vom Leib, wird Ihnen solche Objekte gar nicht zeigen. Er will weder seine Zeit, noch Ihre Zeit mit unseriösen Anbietern verschwenden. Wenn also ein Verkäufer sein Objekt “Privat direkt vom Verkäufer” anbietet, dann sollte bereits eine Alarmglocke anschlagen. Warum sollte dies ein Verkäufer tun? Wir erinnern uns – SIE zahlen ja die Maklerprovision; nicht er. Er kann also nur gewinnen, wenn er als Verkäufer einen Makler einschaltet.

Ein seriöser Makler wird Sie auch gut beraten, was Ihre Rechte (zB Übersetzer) angeht und kennt die üblichen Tricks und Fallstricke beim Kauf. Er hat ein Interesse daran, daß alles ordentlich und sauber abläuft und er auch seine Provision bekommt. Ein Makler, der dies nicht tut, der hat auch recht schnell einen schlechten Ruf und wird nicht lange im Geschäft bleiben. Es soll sogar schon vorgekommen sein, daß ein Makler bei Preisverhandlungen deutlich mehr Ertrag (Preisminderung) als Kosten (Provision) für den Kunden verursacht hat.

3 Kommentare zu “Immobilienbesichtigung in Paraguay

  1. Vielleicht sollte auch der allergrösste Immobilienmakler PY , ein Busenfreund von General Alfredo Strössner ,
    nämlich der schöne Konsul Hans Hermann Weyer Graf von York ( adopt. ) nicht unerwähnt bleiben .
    Er hat 465 Honorarkonsulate armer Länder an wohlhabende Eitelkeiten verkauft , ausserdem zahllose
    Titel und Orden .
    Den Gerüchten nach soll er in PY die gleiche Immobilie lukrativ auch mehrfach verkauft haben .
    Jetzt ist er wohlhabend, 80-ig jährig und führt in Rio de Janeiro ein Jet-set -Leben .
    Wer soviel gearbeitet hat, dem sei das auch von Herzen vergönnt.

  2. Die Tipps könnten für meinen Freund vom Interesse sein, vielen Dank! Wie wird aber die Bewertung ausgeführt? Woher weiß man, dass ein günstiges Preis-Leistung-Verhältnis angeboten wird? Vielen Dank im Voraus!

    1. Ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis ist schwer zu erkennen, wenn man noch nicht lange im Land ist. Entweder man hat viel Erfahrung mit Immobilien oder einen guten Makler/Berater.
      In Europa gibt es ja Richtpreise und einen lebendigen Markt an Kauf-Verkauf. Nicht zuletzt wegen der sehr niederen Zinsen. In Paraguay bekommt man 10-12% Guthabenzinsen – was bedeutet dies wohl für Kredite und den Prozentsatz der Leute die sich einen solchen leisten können? Daher ist der Immobililenmarkt weit weniger beweglich und außerhalb des Großraumes Asuncion gibt es fast keine Richtwerte. Die Preise werden vom Verkäufer oft sehr willkürlich festgesetzt. Verkauft es sich in einem Jahr nicht, dann geht man entweder im Preis runter, oder rauf. Wieso runter? Um vielleicht doch einen Käufer zu finden. Wieso rauf? Weil man jetzt ja 1 Jahr gewartet hat und Immobilienpreise jährlich steigen hat man gehört. Wenn ein Notfall in der Familie eintritt? Dann kann man es auch für 25% kaufen – aber man muß bar zahlen innerhalb von 24 Stunden. Das alles ist Paraguay.

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