Zinserhöhung in den USA hat Auswirkungen auf Paraguay

Kursanstieg des U$ Dollar

Wenn Fed-Chef Jerome Powell (FED = Notenbank der USA) zum 3. Mal in diesem Jahr den Zinssatz hebt, dann hat das Auswirkungen auf den Rest der Welt. Ganz besonders auf Entwicklungs- und Schwellenländer, die oftmals stark vom U$ abhängig sind. Schwellenländer, wie etwa die beiden großen Nachbarn Paraguays, Brasilien und Argentinien.

Am 26.9. wurde also der Leitzins in den USA von 2.00% auf 2.25% angehoben. Dies war bereits die 3. Erhöhung in diesem Jahr. Eine zusätzliche wurde für Dezember angekündigt, sowie 3 weitere für das Jahr 2019.

Wenn die führende Wirtschaftsmacht der Erde die Zinsen erhöht, dann wird es für die Menschen interessanter, dort ihr Geld zu investieren. Die US Amerikaner lösen Investments im Ausland auf und bringen ihre U$ Dollars zurück in die Heimat. Ausländische Bürger und Firmen investieren lieber im “sicheren Hafen” USA als in ihren eigenen Ländern. All dies kombiniert führt zu einem Anstieg des U$ Dollar Kurses und gleichzeitig zu einem Abwärtsdruck auf andere Währungen.

Probleme in Argentinien

Erste Anzeichen dieser Entwicklung waren der Kursverfall der türkischen Lira und die Turbulenzen des argentinischen Peso. Könnte man bei der Türkei noch die Schuld beim Verhalten von Präsident Erdogan suchen, so fällt dies im Falle von Argentinien schon deutlich schwerer. Argentiniens Präsident Mauricio Macri galt ja bis vor kurzem noch als populärer und erfolgreicher Reformer. Dieses gute Image hat jedoch spätestens mit dem Hilfsgesuch an den IWF einen großen Kratzer erlitten. Schwellenländer, wie Argentinien, sind auf einen ständigen Zustrom von Kapital angewiesen. Wenn jetzt große Investoren in den USA dort wieder ~3% Zinsen bekommen, dann investieren sie weniger Geld in Schwellenländer; so einfach ist das.

Die Auswirkungen dieser Strategieänderung können durchaus merkbar sein. Der Argentinische Peso hat seit Anfang des Jahres rund 30% seines Wertes gegenüber dem U$ verloren. Als Gegenmaßnahme wurde der Leitzins in Argentinien zumindest bis Dezember auf 60% (!) erhöht. Auch der Real in Brasilien ist bereits deutlich unter Druck geraten.

Lage in Paraguay

In Paraguay sind die Auswirkungen der US Zinserhöhung bisher noch sehr gering. Der U$ hat zwar in diesem Jahr deutlich an Wert gewonnen und liegt jetzt bei fast 5.900 Gs, ist jedoch noch unter dem Hoch von Jänner 2016. Auch die BCP (=Notenbank Paraguays) bleibt weiterhin sehr gelassen. Am 20. September wurde der Leitzins für Paraguay von 5.25% wieder bestätigt, jedoch eine Zinserhöhung um 0.25% für Ende des Jahres angekündigt.

Warum es in Paraguay so ruhig bleibt, könnte zum Teil mit dem großen Liquiditätsüberschuß der Banken zu tun haben. Laut Daten der BCP können die Banken in Paraguay nur rund 58% ihrer Einlagen auch am Kreditmarkt unterbringen. Fast 42% der Einlagen, das sind über 6600 Millionen U$, bleiben verfügbar und drücken damit weiterhin auf den Zinssatz. Dies führt zu günstigeren Konditionen für Kreditnehmer, aber auch zu sinkenden Zinsen für Sparer.

Ebenfalls günstig ist der hohe Exportanteil der Landwirtschaft, dessen Erträge ja über den Weltmarktpreis in U$ bezahlt werden. Das heißt, steigt der Kurs des U$, steigen auch die Exporterlöse umgerechnet in Guaraníes. Mittelfristig gefährlich sind die Staatsschulden, welche vor allem unter Präsident Cartes in U$ aufgenommen wurden und in Zukunft wohl mit teureren U$ irgendwann zurückgezahlt werden müssen. Werden diese Schulden (wie üblich) lediglich umgewälzt, also am Ende der Laufzeit durch neue Kredite gleicher Höhe ersetzt, müßten höhere Zinsen gezahlt werden. Da Paraguay jedoch eine sehr geringe Staatsverschuldung von lediglich 26% des BIP aufweist, sollte dies zu keinen größeren Problemen führen.

Als Fazit kann man sagen, die Lage in Paraguay ist weiterhin sehr stabil und weder ein Verfall der Währung wie in Argentinien, noch eine hohe Inflation sind in naher Zukunft zu befürchten.

3 Kommentare zu “Zinserhöhung in den USA hat Auswirkungen auf Paraguay

  1. Hallo,
    sehr gut recherchiert.

    Solange dieses Kreditgeld-Schuldsystem mit der fiat Ankerwährung $ installiert ist,
    werden wir noch viel grössere Krisen sehen, als gegenwärtig in Argentinien, der Türkei und Venezuela.

    Interessant ist, sich diese Karte

    https://dieunbestechlichen.com/wp-content/uploads/2018/02/Karte.pdf

    zu vergegenwärtigen und dann einen Bezug zu unserem monetären System herzustellen.
    Paraguay schneidet passabel ab!

    beste Grüsse
    Kurt

  2. In der Tat scheint der Guarani gegenüber dem argentinischen Peso und dem brasilianischen Real gegenüber
    wie ein Fels in der Brandung zu sein, die Schweiz Südameriaka eben .
    Die Currency -Märkte reagieren immer sehr sensibel und rasch, weil sie sehr liquide sind.

    Beispiel gefällig ? Jetzt Sonntagmittagnacht , 08.10.2018 liegt in Europa das Wahlergebnis in Brasilien noch
    nicht vor . Aber wer gewonnen hat , verrät eine einzige Info :
    Wenn der Kurs des BRL von 4,64 BRL / Euro am 01.10.2018 von 4,65 auf heute Nacht 4,42 steigt ,
    kann nur Hr Bolsonaro der Sieger sein. keine Sozialisten, keine Linken eben .

    1. Ja das sehe ich genauso. Der PYG ist eine sehr stabile Währung, weil hier im Land der Sozialismus niemals so Fuß faßen konnte, wie etwa die Peronisten in Argentinien oder auch jüngst die Linken in Brasilien. Obwohl man sagen muß, der Herr Chavez hat den Ex-Präsidenten Lugo stark unterstützt, manche behaupten sogar, dies sei der wahre Hauptgrund für Lugos Amtsenthebung seinerzeit gewesen. Seit Venezuela pleite ist, hat sich diese Gefahr jedenfalls erledigt und Paraguay bleibt auch weiterhin wirtschaftlich, sozial und politisch ein Pol der Ruhe in Südamerika.

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