Schule in Paraguay

Schulkinder

Das Schulsystem

Wenn neue Einwanderer mit Kind nach Paraguay kommen, dann ist eine der häufigen Fragen die Frage nach dem Schulsystem. Und genau damit wollen wir uns heute beschäftigen.

In Paraguay besteht eine absolute Schulpflicht! Das bedeutet, daß jedes Kind verpflichtend einzuschulen ist. Das ist nicht überall so; Länder, wie etwa Österreich, erlauben es den Eltern, sofern diese mindestens Matura (=Abitur) abgeschlossen haben, ihre Kinder auch zu Hause selber zu unterrichten. Es ist dann lediglich eine Prüfung in einer öffentlichen Schule abzulegen, um den Lernerfolg auch zu kontrollieren. In Paraguay ist dies grundsätzlich NICHT vorgesehen.

Wer seine Kinder nicht auf eine staatliche Schule schicken möchte, der hat jedoch eine gute Auswahl an halb-staatlichen oder auch ganz privaten Schulen. Schulen und auch Lehrerinnen sind in Paraguay sehr frei, was die Gestaltung des Unterrichts angeht. Die vorgegebenen Lehrpläne verstehen sich daher eher als grober Anhalt, denn als verpflichtende Vorlage.

Wenige Schulstunden

Die erste Erfahrung mit der neuen Schule können Kinder ab 3 Jahren im “Pre-Jardin” sammeln.Ein Jahr später kommt dann der “Jardin” (Kindergarten), und mit 5 Jahren der “Pre-Escolar” (Vorschule). Der Besuch dieser 3 Jahre “Kindergarten” ist freiwillig, jedoch sehr zu empfehlen.

Mit 6 Jahren beginnt dann der Ernst des Schullebens mit dem 1er grado (1. Klasse) der Escuela Basica (Grundschule), welche insgesamt 6 Jahre dauert. Paraguay hat die geringste Schulstunden-Anzahl pro Jahr weltweit!

Der Unterricht dauert von 7 Uhr bis 11 Uhr bzw. von 13 Uhr bis 17 Uhr für die Nachmittagsschicht. Ja, das habt ihr richtig gelesen – viele Schulen werden hier im Schichtbetrieb gefahren, da es hier zahlreiche Kinder gibt. Der durchschnittliche Paraguayer ist nämlich 24.5 Jahre alt, während der durchschnittliche Deutsche es auf 45 Jahre bringt. Die wenigen Unterrichtsstunden sind auch nicht unbedingt ein Nachteil, da es den Kindern so möglich ist, ihre Kindheit noch zu genießen. Das ist deswegen möglich, da in Paraguay der übliche Beruf von Frauen nach wie vor “Hausfrau und Mutter” ist, was den Schulen die Arbeit enorm erleichtert. In den Industrieländern gehört ja mittlerweile die Erziehung bzw. die “Aufbewahrung” der Kinder zu den Hauptaufgaben moderner Bildungseinrichtungen.

Die Grundschule “Basica”

Die Escuela Basica oder kurz “Basica” dauert also 6 Jahre. Eine Schuluniform ist die verpflichtende Bekleidung für alle Schüler. Diese 6 Jahre sind unterteilt in zwei große Abschnitte;
Die Klassen 1-2-3 sind der “Primer Ciclo”, der erste Abschnitt. Folgende Fächer werden in den ersten 3 Jahren unterrichtet:

  • Castellano (Spanisch)
  • Guaraní (die Sprache der einfachen Paraguayer, Muttersprache der Mehrheit am Land)
  • Matemática (Rechnen, die große Schwäche der Leute hier)
  • Medio Natural y Salud (Gesundheit und Sauberkeit!)
  • Vida Social y Trabajo (Beruf, Sticken, Gartenarbeit)
  • Expresión Artística (Basteln und Zeichnen)

Der “Segundo Ciclo” sind die Klassen 4-5-6, inklusive Abschlußfeier mit Abschluß der “Basica”. Im Segundo Ciclo werden folgende Fächer unterrichtet:

  • Castellano
  • Guaraní
  • Matemática
  • Ciencias Sociales (Geschichte, Heimatkunde)
  • Trabajo y Tecnologia (verschiedene Berufe kennenlernen)
  • Ciencias Naturales (Biologie)
  • Educación Física (Sport, meist Fußball)
  • Educación para la Salud (Gesundheit und Sauberkeit inkl. Sexualkunde)
  • Educación Artística (Basteln und Zeichnen)

Für viele einfache Paraguayer, besonders mit indigenen Wurzeln, endet die Schulbildung häufig mit der Basica. Wer auch das nicht geschafft hat, der kann den Basica-Abschluß im Rahmen einer Abendschule nachholen.

Das “Colegio” (Oberstufe)

Die nächste Stufe auf der Bildungsleiter ist das “Colegio” (Oberstufe), welches ebenfalls 6 Jahre dauert, jedoch eine Stunde länger Unterricht hat. Also von Montag bis Freitag jeweils 5 Stunden am Tag. Die 7-8-9 Grados sind der “Tercer Ciclo” und gleichzeitig das Ende der 9 Jahre Pflichtschule.

  • Castellano
  • Guaraní
  • Matemática
  • Historia y Geografia (Geschichte u. Geo, insbesondere über Paraguay)
  • Trabajo y Tecnologia (verschiedene Berufe kennenlernen)
  • Ciencias de la Naturaleza (Biologie)
  • Educación Física (Sport, meist Fußball)
  • Salud (Gesundheit/Krankheiten inkl. Sexualkunde)
  • Artes Plásticas (Basteln und Zeichnen, Farbenlehre)
  • Religión (röm. kath.)
  • Proyecto (Projekte organisieren in Theorie und Praxis!)
  • Música (Musik)
  • Formación Ética y Ciudadana (Ethik, Benehmen und Staatsbürgerkunde)

Abitur (Matura)

Nach der Pflichtschule sind die Klassen 10-11-12 der Cuarto Ciclo, welcher einem Abitur (Matura) entspricht.
Diese Jahre heißen “Curso” und sind je nach Schule unterschiedlich – man kann sich zB auf Landwirtschaft spezialisieren oder auf Computer oder Technik, oder oder oder. Erst hier im Curso wird in der Regel mit dem Englisch-Unterricht begonnen. Was sicher keinen Wettbewerbsvorteil der jungen Generation darstellt.

Im Großen gesehen ist diese Schulbildung für die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Paraguayer eigentlich gut. Man darf nie vergessen, daß Paraguay ja keinerlei Industrie hat und die Mehrheit der Jobs im Agrarsektor liegt. Deutsche Maßstäbe anzulegen wäre ein Fehler, da es im Land ja nur wenig Verwendung für Allgemeinbildung oder gar Geisteswissenschaften gibt. Was die Menschen im täglichen Leben brauchen, das wird den Kindern solide vermittelt. Wer seine Kinder mit nach Paraguay nimmt, der sollte sich jedoch schon darüber klar sein, daß er im Prinzip zwei Möglichkeiten hat.

  1. Sie schicken die Kinder auf eine private Schule, meist eine Deutsche Schule, wo der Zeitaufwand und Lernstoff sicher größer sind.
    Hier besteht dann oft die Möglichkeit zB das “Deutsch-Diplom” zu machen oder diese Ausbildung in DE zum Teil anerkannt zu bekommen. Aber dann sind Ihre Kinder weg; zurück in Deutschland und kommen auch nur sehr selten wieder. Das ist ein großes Problem der Altkolonisten etwa im Bereich “Independencia” – man sieht dort eher selten junge Gesichter.
  2. Sie bringen genug Kapital mit, daß nicht nur Sie selber, sondern auch Ihre Kinder hier gut leben können. Dies geht durch Zinseinkünfte oder den Kauf/Gründung eines Unternehmens vor Ort. SIE schaffen also selber die Jobs für Ihre Kinder, und damit (besonders im Alter) eine win-win Situation für Ihre Kinder und sich selber. Ein Unternehmen über das Internet fällt ebenfalls in diesen Bereich und stellt eine moderne und schlaue Möglichkeit dar. Sie leben in einem billigen Land, aber sie verdienen in einem reichen Land.

Wenn jetzt noch Fragen offen sind, dann hilft ein persönliches Gespräch im Rahmen einer Beratung.

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