Auswandern: Dokumente und Stempel – ein Tag in Asuncion

Skyline von Asuncion

Aufenthaltsgenehmigung

Einer der ersten Schritte einer erfolgreichen Auswanderung nach Paraguay ist die Aufenthaltsgenehmigung. Dieses Dokument gemäß Migrationsgesetzt N° 978/96 wird ausländischen Bürgern erteilt, die sich in Paraguay niederlassen möchten.

Das Dokument ist relativ einfach zu erlangen und ermöglicht es Ihnen, in Paraguay zu leben, zu arbeiten und auch das Land zu verlassen und wieder einzureisen.
Ganz nach Ihren Wünschen und das auch noch auf unbeschränkte Dauer! Ein derartig praktisches Dokument ist auf der ganzen Erde nur sehr schwer ein zweites Mal zu finden. Grundsätzlich kann jeder Auswanderer dieses Dokument selber beantragen und die nötigen Wege ohne Hilfe erledigen.

Eine Geschichte aus dem Leben in Paraguay

Was das bedeutet und wie so ein solcher Tag in Asuncion aussehen könnte, erzählt uns eine kleine Geschichte aus dem Leben. Klarerweise ist alles frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit Dienstag letzter Woche wäre ganz und gar zufällig 🙂

Unsere Geschichte beginnt um 03:30 in der Nacht mit dem Klingeln des Weckers. Die geplante Abfahrtszeit ist 04:00, da der Weg nach Asuncion von Independencia/Villarrica aus ein langer ist. Besonders in der Stoßzeit morgens und nachmittags ist die Verkehrslage in Asuncion eine einzige Katastrophe mit langen Staus. Es ist praktisch egal, welchen Weg man gerade hat.

Mit der geplanten Abfahrtszeit von 04:00 sollten wir das Zentrum von Asuncion in etwa 3 Stunden erreichen können. Bevor der schlimmste Morgenstau beginnt. Wer erst gegen 05:30 abfährt, der kann gut und gerne 4 Stunden für den gleichen Weg einplanen. Als Folge wird man bestenfalls die Hälfte der Stationen vormittags erledigen können.

Da wir diesen Fehler in der Vergangenheit bereits gemacht haben, klingelt der Wecker eben um 03:30 in der Nacht. Wir schaffen es nach einer langen, aber ereignislosen Fahrt, um 06:45 beim “registro civil” (Standesamt) auszusteigen. Gerade rechtzeitig, da diese Behörde um 07:00 ihre Pforten öffnet und wir dort eine paraguayische Geburtsurkunde (“certificado de nacimiento”) beglaubigen lassen möchten.

Behörden arbeiten nur bis Mittag

Das erledigt, geht die Reise weiter zum Justizpalast (“palacio de justicia”). Dem Stadtplaner sei Dank, liegt dieser äußerst ungünstig am anderen Ende der Stadt. Wir lieben den Verkehr, und eine gute Stunde im Stau am Morgen hebt die Stimmung ungemein. Glücklicherweise machen wir die Reise zu zweit, da kann eine Person vor dem Justizpalast aus dem Auto springen, während der andere einen Parkplatz sucht. Das ist nicht immer einfach, oft ist es besser, ein paar Runden zu fahren. Je nachdem, wie viel im Justizpalast zu erledigen ist.

Inzwischen ist es 09:30 und es geht weiter zum Außenministerium (“Ministerio de relaciones exteriores”). Dieses liegt, ebenfalls intelligent geplant, ganz und gar nicht in der Nähe vom Justizpalast. Nach weiteren 45 Minuten in der guten Asuncioner Stau-Luft, haben wir das Zentrum abermals durchquert und befinden uns vor dem Außenministerium. Bisher lief alles ausgezeichnet, jetzt jedoch haben wir ein ernsthaftes Parkplatzproblem. Schon 3 Runden gefahren und weder einen Parkplatz noch einen bezahlten Stellplatz gefunden. Lästig, lästig.

Das Parkplatz Problem

Doch plötzlich scheint uns die Glücksgöttin doch noch zu mögen. Wir erspähen einen Parkplatz kurz nach einer Kreuzung. Leicht einzuparken und wie es scheint, weit genug von der Kreuzung entfernt, sodaß auch ein Lkw problemlos vorbei kann. Klar, wir schlagen zu und parken keine 5 Gehminuten von unserem Ziel entfernt.

Beim Außenministerium angekommen, stellen wir jedoch fest, daß dort gerade umgebaut wird. Ein netter Herr erklärt uns, daß wir aber trotzdem unseren Stempel (in diesem Fall eine “Apostille”) bekommen können. Während er seinen Tereré schlürft, deutet er mit der freien Hand in eine grobe Richtung, und wir meinen zu verstehen “etwa 5 Blocks in diese Richtung und dann 1 Block nach rechts gibt es ein Ersatzbüro”. Ok, das bedeutet einen Umweg. Wir liegen bis jetzt gut in der Zeit und das sollte kein Problem sein – also gehen wir erstmal zurück zu unserem Auto.

Beim Auto angekommen, erwartet uns aber eine böse Überraschung. Am linken Hinterreifen hat es sich eine Zecke gemütlich gemacht. Und zwar keine herkömmliche Feld-, Wald- oder Wiesenzecke, sondern der Typus “Parkkrallus Paraguayus corruptus”.

Die Polizei – kein Freund und Helfer

Es dauert auch nicht lange, da kommt auch schon der Besitzer der Autokralle. Er erklärt in freundlichen Worten, daß die gelben Bereiche des Randsteines ein Parkverbot markieren. Das war uns grundsätzlich klar. Nicht so klar war, daß die 10 cm (also vom halben Hinterreifen rückwärts), die unser Auto in diese Zone eindringt, ein solch schweres Verbrechen darstellen. Aber ja, der gute Mann war klar im Recht. 10 cm oder das ganze Auto macht hier keinen Unterschied. Diese Untat muß mit der vollen Härte des Gesetzes geahndet werden!

Da manche Autofahrer wohl in der Vergangenheit schon Probleme hatten, diesen einfachen Sachverhalt zu verstehen, hat der Hüter von Gesetz und Ordnung mitgedacht. Er zückt eine Liste, wo man sein Vergehen und die zu erwartende Strafe gut ablesen kann. Zufällig sind genau die beiden Straftaten, die hier vorliegen, bereits mit Textmarker gekennzeichnet. Man fragt sich, ist der Mann ein Hellseher? Oder macht er dies vielleicht gar nicht zum ersten Mal?

Jedenfalls wird rasch klar; für Falschparken sind Gs 325.000,- (~50,- Euro) fällig, für die Schwerarbeit der Parkkrallen-Montage nochmals Gs 254.000,-. Zu zahlen 8 Blocks diese Richtung. Zu Fuß versteht sich, weil das Auto bleibt, wo es ist. Ach ja, und wir mögen uns beeilen, meint er. Wenn wir zu lange brauchen, dann kommt vorher der Abschleppwagen, und dann wird es RICHTIG teuer.

Jau, schon klar. Also frage ich, ob es denn nicht auch eine freundschaftliche Lösung für das Problem gibt. Wir haben schwer gesündigt und eine Strafe ist nicht zu vermeiden – aber jeder Sünder verdient doch eine zweite Chance, nicht wahr? Das sieht der gute Mann genauso, und wir einigen uns auf die Zahlung von Gs 325.000,- für falsches Parken. Ist das Bußgeld bezahlt, entfernt er freundlicherweise die Parkkralle von unserem Auto. Die zusätzliche Belastung, dafür einen Beleg auszustellen, kann man ihm nach dieser Schwerarbeit verständlicherweise nicht zumuten. Wir sind froh, wieder unterwegs zu sein. Der Polizist ist wohl ebenso froh, da “sein” Parkplatz jetzt wieder frei ist und auf sein nächstes Opfer warten kann.

Warteschlangen sind oft lange

Beim Ersatzbüro des Außenministeriums angekommen, ziehen wir jetzt unsere Nummer. Wir haben 72 – auf der Tafel aufgerufen wird gerade 34. Ernsthaft? Da nicht alle Angestellten den gleichen Arbeitsstress zu haben scheinen, wenden wir uns an eine nette Dame, die gerade ihr Facebook-Profil pflegt. Ja, sie könnte uns schon helfen, aber eine Apostille dauert nun mal, und wir mögen doch in 2 Stunden wieder vorbeikommen.

Das wird knapp, denken wir. Die Behörden in Asuncion haben in der Regel nur bis Mittag (12 Uhr) geöffnet, manche, wie der Justizpalast, bis 13 Uhr. Andere, wie Konsulat überhaupt nur bis 11 Uhr. Und genau dort müßten wir unser Dokument nach dem Außenministerium eigentlich hinbringen. Jetzt ist es aber schon 10:55 plus 2 Stunden Bearbeitungszeit – nein, das wird sich nicht ausgehen.

Zum Glück sind auch Botschaftsmitarbeiter Menschen, mit denen man reden kann, und wir finden eine Lösung für das Problem. Darüber sind wir auch sehr froh, denn eine Extrafahrt nur wegen eines Dokumentes wäre schon ein großer Aufwand gewesen.

Der Rückweg zur Stoßzeit

Es ist fast 16 Uhr, bis wir alle geplanten Wege erledigt und alle Stempel und Anträge abgearbeitet haben. Der Rückweg ist deswegen ein langer, da um diese Zeit der Stau im ganzen Großraum Asuncion wirklich, wirklich schlimm ist. Es vergehen über 4 Stunden, bis wir gegen 20 Uhr wieder zu Hause ankommen. Und damit endet auch schon unsere Geschichte.

Wie man klar erkennen kann, ist eine gute Planung für alle Wege absolut notwendig. Hätten wir all das zum ersten Mal erledigt, wären mindestens zwei – vermutlich aber sogar 3 Tagesfahrten – dafür nötig gewesen. Wer sich einen großen Teil solcher Tage ersparen möchte, der kann sich auch von uns bei der Beantragung seiner Dokument helfen lassen. Dafür gibt es den Bereich: “Aufenthaltsgenehmigung“.

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