Bargeld in Paraguay

Bargeld in Paraguay und Bargeld in Europa sind zwei ganz verschiedene Welten. In Europa wird immer offener über das Ende von Bargeld gesprochen. In manchen Ländern gibt es bereits Gesetze, die die Verwendung von Bargeld in weiten Teilen des täglichen Lebens zumindest einschränken, wenn nicht sogar verbieten. Sie wollen das nicht glauben? Hier sind einige Beispiele:

  • Frankreich hat eine Höchstgrenze für Zahlungen mit Bargeld von Euro 1.000,-
  • Spanien hat eine Höchstgrenze für Zahlungen mit Bargeld von Euro 2.500,-
  • Italien hat eine Höchstgrenze für Zahlungen mit Bargeld von Euro 2.999,-
  • Belgien hat eine Höchstgrenze für Zahlungen mit Bargeld von Euro 3.000,-
  • Griechenland hat eine Höchstgrenze für Zahlungen mit Bargeld von Euro 500,-

Wie Sie sehen können, sind die Länder mit gesetzlichen Höchstgrenzen bei der Bezahlung mittels Bargeld auch gleichzeitig diejenigen Länder innerhalb der EU, die jetzt nicht unbedingt zu den wirtschaftlichen Zugpferden der Gemeinschaft zählen. Mann könnte sogar sagen, die Banken dieser Länder haben in der letzten Wirtschaftskrise 2008/2009 ganz ordentlich gewackelt. Ob das wohl ein Zufall ist?

Bargeldverbot ist kein Zufall

Wenn ein Land die Verwendung von Bargeld einschränkt, dann hat das immer einen Grund. Und dieser Grund hat zwei Gesichter; jemand will ihre Freiheit und ihr Geld. Wenn eine Bank negative Zinsen verrechnet, dann ist die logische Konsequenz die, daß man sein Geld abzieht und es anderswo auf der Welt zu besseren Konditionen veranlagt. Das ist aber weder im Sinne der Banken, noch des Staates.

Die Bank möchte lieber Zinsen kassieren – und zwar vorzugsweise vom Spar- und Kreditkunden gleichzeitig –  als welche auszahlen. Das wirkt sich auch sehr positiv auf den Endjahresbonus vom Vorstand aus. Die Banken finden daher solche Gesetze durchaus positiv.

Der Staat möchte gerne viel wissen. Jede geschäftliche Transaktion und jede Überweisung soll möglichst genau kontrolliert werden. Man will ja keinen Steuer-Euro verpassen. Damit nicht genug; solange das Geld auf heimischen Banken ist, solange ist auch ein staatlicher Zugriff auf dieses Geld jederzeit und sehr einfach möglich. Im Zuge der Krise in Griechenland und Zypern hat man ja schon vor einigen Jahren getestet, wie so etwas ablaufen könnte.

Auswege aus der Falle

Alle diese unschönen Zukunftsvisionen haben eines gemeinsam; sie nutzen niemals dem Kunden. Da wir als “Homo sapiens” eine gewisse Grundintelligenz besitzen, wird das irgendwann auch dem letzten Sparer klar werden. Und dann gibt es im Prinzip nur zwei Fluchtwege:

  1. zur Bank laufen “bank run” und sein Geld abheben, solange es noch etwas gibt. Das ist der übliche Weg für die Masse der Menschen, wenn es starke Anzeichen einer Krise gibt. Wer sein Geld bekommt, der hat Glück gehabt. Wer zu spät kommt, der geht leer aus. Nichts bringt eine wankende Bank schneller zum Umfallen als ein guter “bank run”. Kommt die bargeldlose Gesellschaft (wie in Schweden derzeit geübt), dann hat die Bank diese Sorge nicht mehr! Ohne Bargeld ist ein “bank run” unmöglich, dieser Ausweg hört einfach auf zu existieren. Die Bank und der Staat (!) gewinnen, der Sparer verliert. So einfach ist das.
  2. sein Geld mittels Überweisung von der Bank abziehen. In der letzten Krise 2008/2009 war dies der “stille bank run”. Ich kann mich noch gut erinnern, als es damals so Zufälle gab wie “Marder zerbeißt Leitung im Datacenter der Bank – online banking leider bis auf weiteres nicht erreichbar”. Wie überaus praktisch. Betrifft es gar Überweisungen in Nicht-Euro-Länder, dann reagiert der Staat meist rasch. Es werden Kapitalverkehrskontrollen beschlossen, wie etwa 2013 in Zypern. Dann sind Auslandsüberweisungen nicht mehr möglich.

Wir erkennen also, von den zwei Fluchtwegen für Sparer unterliegt die Überweisung bereits heute zum Teil nicht mehr unserer Kontrolle. Zumindest, wenn wir zu lange damit warten. Unter diesem Licht betrachtet, gewinnt der “Kampf gegen das Bargeld” eine ganz neue Bedeutung. Kann es sein, es geht dabei weniger um die neuen Technologien, als vielmehr um Vorbereitungen, die Sparguthaben der Menschen neu zu verteilen?

Bargeld in Paraguay

Ganz anders ist die Situation in Paraguay. Hier ist Bargeld in allen Bereichen des Lebens willkommen. Im Supermarkt wird zu 99% mit Bargeld bezahlt, außerhalb zu 100%. Kaufen Sie ein Auto oder gar ein Haus, dann wird selbst diese Summe meist in bar bezahlt. Das ist nicht immer einfach, wie folgendes Beispiel zeigt:

Der größte Schein ist 100.000 Guaraníes, was etwa 15 Euro entspricht. Um ein sehr schönes Anwesen für ca. 150.000 Euro zu kaufen, wären also 10.000 Scheine zu jeweils Gs. 100.000 nötig. Das hat erstens Gewicht, zweitens Volumen und benötigt drittens eine lange Zeit zum Zählen. Daher werden hochwertige Immobilien oder teure Autos in der Regel mit U$ Dollar bezahlt.

Nur wenige Menschen und Firmen in Paraguay haben überhaupt ein Konto bei einer Bank. Es wird einfach alles mit Bargeld geregelt. Dazu kommt, daß eine Kontoeröffnung auch heute noch aufwendig ist und eher nicht kundenfreundlich abläuft.

Wer aus dem Ausland nach Paraguay einreist, der kann bis zu U$ Dollar 10.000,- (oder entsprechenden Wert in anderen Währungen) ohne Zollanmeldung in Paraguay einführen. Größere Beträge wären anzumelden, aber auch dies ist problemlos möglich. Diese Zollanmeldung bei der Ausfuhr in DE/AT/CH und bei der Einfuhr in Paraguay ist auch ein überaus nützliches Dokument, die legale Herkunft des Geldes zu belegen. Eine solche Zollanmeldung wird von Banken und Kooperativen gerne als Nachweis der Mittelherkunft akzeptiert.

Wer Euros nach Paraguay bringt, der sollte darauf achten, daß die Scheine max. 100 oder 200 Euro sind. Bitte keine 500er mitbringen, diese sind nur sehr schwer zu verkaufen! Wichtig ist auch, daß die Geldscheine alle neuwertig und ohne Stempel/Beschriftung sind, ansonsten wird eventuell die Annahme bei der Bank oder Wechselstube verweigert.

Wer zum ersten Mal nach Paraguay kommt, ist oft überrascht, wieviel Bargeld täglich verwendet wird. Auch bei größeren Anschaffungen oder Einkäufen. Auf den ersten Blick ist das vielleicht etwas altmodisch und unpraktisch, aber überlegen wir einmal in aller Ruhe die Alternative. Welches System bietet den Menschen wohl mehr Freiheit?

Bargeld, Zinsen und Steuerquote

Und wo wir gerade von Freiheit sprechen; die Banken in Paraguay sehen sich auch wegen der starken Präsenz des Bargeldes einem gewissen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Man bekommt bei einer Bank in Paraguay bis zu 7% Zinsen für eine Festgeldanlage; bei Kooperativen sind sogar bis zu 16% möglich. Vergleichen wir dazu die Situation in Europa. Die negativen Zinsen im Euro-raum wären ein zu extremer Vergleich, daher blicken wir in das fast bargeldlose Schweden. Dort bekommt man für eine Festgeldanlage ab 1 Jahr immerhin 0,7% Zinsen. Bei einem derart guten Angebot kann ich kaum nachvollziehen, warum Schweden so eine Vorreiter-Rolle in der Abschaffung des Bargeldes einnimmt.

Und dann ist da noch die Steuerquote. Es muß wohl ein Zufall sein, aber Schweden liegt mit 44,2% deutlich über dem EU-Schnitt. Andere Länder mit einer hohen Steuerquote sind zum Beispiel

  • Frankreich mit 47,9%
  • Italien 43,5%
  • Belgien 47,5%

Die niedrigste Steuerquote mit 24,4% in der EU findet man übrigens in Irland. In Irland existiert keine Obergrenze für die Verwendung von Bargeld. In Paraguay betrug die Steuerquote im Jahr 2017 nur 13,2%. Ob auch das ein Zufall ist?

3 Kommentare zu “Bargeld in Paraguay

  1. Zur Ihrer Bemerkung “Ganz anders ist die Situation in Paraguay. Hier ist Bargeld in allen Bereichen des Lebens willkommen. Im Supermarkt wird zu 99% mit Bargeld bezahlt, außerhalb zu 100%. ” habe ich eine Kleinigkeit hinzuzufügen, um Ihre Kenntnisse der Zahlungsweisen in Supermärkten etwas zu berichtigen, falls Sie mir das gestatten.
    Ich war in meinen 33 Jahren in Paraguay die ganze Zeit hindurch in Supermärkten tätig. Mit Ihren bekanntgemachten Daten hätten Sie nicht einmal in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts recht behalten, denn auch schon vor 30 Jahren und mehr war es ein beträchtlicher Teil der Kunden, die ihre Einkäufe mit Schecks oder auch mit Kreditkarten bezahlten. Genaue Angaben aus den 80er Jahren kann ich dabei nicht mehr machen, aber auf jeden Fall waren es damals schon wesentlich mehr als 20% der Einkäufe in Supermärkten, die bargeldlos bezahlt wurden. Ab der Jahrtausendwende allerdings war dieser Anteil schon auf mehr als 40% angestiegen, und die Tendenz ist weiterhin steigend. Schon aufgrund der traurigen Erfahrungen vieler Kunden von Supermärkten, die teilweise überfallen wurden, mit dem Ziel, an deren Bargeld zu kommen, haben sich mehr und mehr Kunden mit bargeldlosen Einkäufen in Supermärkten abgesichert. Ich möchte sogar behaupten, daß schon in den 80er Jahren in Paraguay viel mehr Supermarkteinkäufe bargeldlos bezahlt wurden als in Deutschland. Denn in Deutschland wurden da immer noch von Banken in Deutschland kaum Kreditkarten ausgegeben, und das hatte seinen Grund. Die Banken in Deutschland wollten ihre Kunden davor bewahren, durch Einkäufe mit Kreditkarten evtl. über ihre Verhältnisse zu leben, und da gibt es dann meist Probleme, für den Kunden selbst, und dann auch für die Bank, die dann plötzlich angepumpt werden muß. Da aber dann eine steigende Anzahl der deutschen Super-Einkäufer in Ermangelung deutscher Kreditkarten dann Kreditkarten von US-amerikanischen Banken benutzten, änderten auch die deutschen Banken mehr und mehr ihre Politik, denn durch Nichtausgabe von Kreditkarten aus Vorsichtsgründen konnte man ganz offensichtlich die Benutzung von Kreditkarten nicht verhindern, und wenn die Kunden schon wollen, dann entschloß man sich eben mit Zeit immer mehr, dann eben das Geschäft selbst zu machen und nicht etwa ausländischen Banken mit ihren leicht zu bekommenden Kreditkarten das Feld zu überlassen. Aber, was das Thema war, die bargeldlose Zahlungsanteil ist viel viel höher, als so mancher annehmen wollte. Sie sollten sich mal bei eventuellen Freunden oder Bekannten, soweit sich diese in diesen Dingen auskennen, etwas durch eine entsprechende Tätigkeit in der Verwaltung eines oder mehreren Supermärkten, sich nach den derzeitigen Anteilen der bargeldlosen Zahlungen erkundigen, und Sie werden sehr erstaunt sein.

    1. Danke für den Beitrag! Objektive Zahlen sind zu diesem Thema nur schwer zu bekommen. Subjektive kann man sehr viel leichter erlangen. Und meine subjektiven sind genau die, die im Artikel beschrieben werden. Im Großraum Asuncion sind Karten schon recht weit verbreitet und man merkt auch deutlich, daß sich in den letzten ~5 Jahren viel getan hat. Heute geben auch zahlreiche Kooperativen eigene Debit-Karten heraus und in vielen Supermärkten gibt es bei Zahlung mit Karte einen Rabatt. Es wird absolut in dieser Richtung massiv geworben, da gebe ich Ihnen schon Recht.

      Was jedoch die Zahlung mit Karte angeht, sind diese nach wie vor selten. Dabei bleibe ich, da ich es bei jedem Einnkauf im Supermarkt selber beobachten kann. Es ist eine Schlange von Leuten; fast alle zahlen mit Geld. Dann kommt einer und will mit Karte zahlen. Alle seufzen auf, weil jeder weiß, jetzt dauert es länger. Bis die Karte durchgezogen ist, die Cedula kontrolliert, seine Unterschrift geleistet – das alles dauert. Die Leute werden unruhig und es fällt extrem auf. Gehen sie mal an einem richtig vollen Tag zum S6 oder ähnlich großen Supermarkt, außerhalb von Asuncion. Da gibt es nicht viele Leute, die mit Karte zahlen.

      Dann ist da noch Punkt zwei – die Masse der Leute hat gar kein Konto und damit auch keinen Zugang zu einer Karte. Wieder gebe ich Ihnen Recht, daß die Leute in Paraguay sich super gerne verschulden und möglichst alles mit Kredit bezahlen würden. Wenn man ihnen eine solche Karte geben würde. Nur ~25% der Arbeitnehmer verdienen überhaupt die 2.1 Millionen Gs im Monat Mindestlohn. Die anderen 75% haben das nicht, die haben weniger. Sehr viele (eine Mehrheit!) ohne reguläre Anmeldung; diese Menschen sind nicht kreditfähig. Die bekommen keine Kreditkarte, die einzige Form der bargeldlosen Zahlung für diese Menschen ist über das Handy mit zB TigoMoney. Das wird auch massiv genutzt – aber auch dabei muß erst Bargeld zu Tigo fließen und wir sind wieder beim Bargeld. Dreh- und Angelpunkt dafür ist das Fehlen einer flächendeckenden Abdeckung der Paraguayer mit einem Konto bei der Bank.

      Diese Abdeckung gibt es nicht, auch weil eine Kontoeröffnung viel schwerer ist, als man das aus Europa kennt. Außer natürlich für die Oberschicht. Diese nutzen Kartenzahlungen sehr gerne und viel. Mehr fast als die Menschen in Europa. Da gebe ich Ihnen abermals Recht. Die Oberschicht ist super stolz auf ihre Kreditkarten und kauft fast nur mit diesen ein. Besonders die Söhne, Töchter und Freundinnen der Oberschichtverdiener. Im casa rica etwa könnte ich mir das sehr gut vorstellen mit hauptsächlich Kartenzahlungen. Aber in einer kleinen Stadt wie zB Villarrica? Dort hat kaum jemand eine Karte mit er zahlen könnte, selbst wenn er/sie das sich sehnlich wünschen würde.

  2. Ich kann die Aussagen Markus Haubenwallers nur bestätigen: es ist sicherlich so, daß in den großen Städten (Asu, CdE, En) viele Menschen inzwischen (oder schon lange) mit Karte zahlen, aber in den ländlichen Gebieten ist der Anteil der Kartenzahler immer noch sehr, sehr gering, bestenfalls jeder 15. Kunde zahlt mit Karte.
    Und wie Markus Haubenwaller das ausgeführt hat, liegt es alleine schon daran, daß auf dem Land nur sehr wenige Menschen überhaupt ein Bankkonto besitzen – die meisten hätten gar nicht die Liquidität um ein Bankkonto beantragen zu können.
    Es mag ja sein, daß Herr Sauer das in Asunción so erlebt hat, aber Paraguay besteht zum Glück nicht nur aus Asunción….

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